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Arbeiten auf dem Pferdehof

In meinen Weihnachtsferien hatte ich das Glück, dass ich vier Tage bei meinem Trainer und Züchter ein kleines Praktikum absolvieren durfte. Und ich muss euch unbedingt von diesen spannenden Tagen erzählen!

Vorab, es ist nicht selbstverständlich das jemand wie ich, Bürogummi und Pferdenärrin, einfach so auf einem Hof dessen Hauptverdienst die Ausbildung und der Verkauf von Pferden ist, arbeiten darf. Ich bin über diese Chance unglaublich froh und dankbar! Für kein Geld auf der Welt würde ich die Entscheidung, Aeringi bei diesen Züchtern zu kaufen, rückgängig machen. Es ist nicht nur das Pferd das mich täglich umhaut. Es ist auch sein Heimathof, seine Züchter und meine neuen Trainer die mir das Leben echt einfacher machen. Es ist schön, solche Menschen hinter sich stehend zu wissen.

Somit durfte ich am ersten Tag um 09.00 Uhr die Stalltore betreten. Ich meldete mich bereits einige Tage vorher, was ich mitnehmen muss und das ich auch nur den ganzen Tag Stallarbeit machen kann. Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet, dass ich an meinem ersten Tag bereits sechs Pferde reiten durfte und oben drauf noch drei an die Longe nehmen konnte. Als ich das sah, freute ich mich noch mehr auf den Tag! Ich kriegte Pferde, die ich bereits kannte, Verkaufspferde und ein Reitschulpferd das ich nehmen konnte, für die Handpferdebegleitung.

Da noch niemand im Stall war, startete ich auf eigene Faust mit misten. Bei 80 Pferden im Offenstall ist das ziemlich viel Mist der sich ansammelt. Da aber am Morgen bereits einmal gemistet wurde, war ich ziemlich schnell mit den ersten zwei Stallungen durch. Danach hiess es, ab aufs Pferd. Ohne grosse Instruktion wurde ich gleich getestet, ob ich den richtigen Sattel für die Pferde aussuchen kann.  Ich bin da oft unsicher, passt es oder nicht, zu eng, so breit, zu lang. Ich sattelte beim ersten Pferd ganze drei Mal um! Es lohnte sich aber, vor dem Reiten wurde ich für die Sattelwahl gelobt. Das freute mich sehr!

Der erste Ausritt war ganz schön komisch. Ich bin mir zwar verschiedene Pferde gewohnt, komplett Fremde, die ich noch nie geritten habe, aber nicht. Da das Pferd aber richtig geritten werden muss, vom ersten Moment an, hatte ich nicht wirklich die Zeit mich an ihn zu gewöhnen und ihn kennen zu lernen. Glücklicherweise hatte ich in all den Tagen nie ein Pferd, mit dem ich nicht warm wurde. Alle waren sehr kooperativ und fein zu reiten, so macht es umso mehr Spass!

Nach dem ersten Ritt folgte dann auch schon Pferd Nummer zwei. Ich wurde einiges lockerer und konnte mich komplett darüber freuen, wie cool das es eigentlich ist. Das schnelle Wechseln von Pferd eins auf Pferd zwei ermöglichte mir, an meiner Flexibilität zu arbeiten.

Auch beim Longieren merkte ich schnell, wie einseitig ich in der Zwischenzeit bin. Wenn das Pferd immer dasselbe ist, man genau weiss was es kann und was nicht, verliert man ein wenig den Blick für das grosse Ganze. Umso wertvoller war es, dass ich auch bei der Bodenarbeit gute Unterstützung und Tipps bekommen habe!

Um mir möglichst viel zu merken, habe ich vor zu an meine Freundinnen komplett wirre Nachrichten gesendet. Auch hier half es mir sehr, das neu gehörte gleich mit ihnen zu teilen und am Abend ausführlich darüber zu berichten. Wissen zu teilen und miteinander fachsimpeln gehört zu unseren obersten Prioritäten.

Beim Mittagessen mit den Stallinhaber gab es dann eine super leckere Fischsuppe. Ja, richtig gelesen, Fischsuppe. Isländische Fischsuppe noch dazu. Natürlich geht es bei einer solchen Tischrunde auch nur um Ponys und so konnte ich meinen Kopf auch  beim Mittagessen weiter mit spannenden Inputs füllen.

Nach dem Mittag machte ich mich im Stall behilflich, wischen, misten, Pferde putzen und striegeln. Denn Hengsten die Mähne einflechten und so weiter. Auf einem solch grossen Betrieb wird es einem nie langweilig. Logischerweise konnte ich auch am Nachmittag noch Pferde reiten und fühlte mich in der Rolle immer wohler.

Nach meinem ersten Tag war ich erschöpft, aber nicht kaputt. Es machte mir so unglaublich viel Spass und ich war begeistert, von allem, was ich nur an einem Tag lernen konnte.

Ich weiss, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, solche Tage auf einem Hof zu bringen aber, ich lege euch ans Herz, erweitert euren Horizont. Hört euch auch mal Dinge an, die ihr zuerst nicht versteht, fragt nach. Fragt auf Turinern nach. Habt keine Angst vor Profis, auch sie misten ihren Pferdehänger am Abend selber aus. Ruft eure Trainer an, wenn etwas nicht passt. Oder ruft den Trainer einer Freundin an, wenn ihr gutes von ihm gehört habt.

Ich habe in diesen vier Tagen etwas ganz extrem gemerkt: wie wenig Ahnung ich eigentlich habe.

Ich bin zwar Pferdebesitzerin, reite seit über 20 Jahre und lebe in einem Selbstversorger, ich bin aber noch lange nicht so gut wie andere. Mir fehlen ganz viele Einzelteile und auch immer mal wieder fehlt mir der Blick für das grosse Ganze. Pferde sind unglaublich spannende Wesen. Ich denke, zusagen, man weiss alles über Pferde, geht nicht. Jedes Pferd ist ein solch grosses Individuum und lernt uns immer wieder Neues.

Seit mutig, steht dazu, wenn ihr etwas nicht wisst. Dass nimmt euch niemand übel. Viel schlimmer sind all die, die meinen, sie wissen alles.

Ich bin unheimlich dankbar für ein solch starkes Umfeld und auf die Hilfe, die ich jederzeit kriege, sobald ich danach frage.

Viel Spass beim Weiterkommen!

Xenia mit Aeringi

 

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