Am Lob wachsen Pferd und Reiter

Wie gut tut es uns doch, wenn wir in der Reitstunde vom Trainer ein «Genauso – super gemacht» hören, von der Kollegin beim Ausreiten «Wow, das sieht immer so einfach aus bei Dir und deinem Pferd» oder ganz einfach ein Schulterklopfen als «Gut gemacht» erhalten nach getaner Arbeit.

Das Lob ist ein wichtiger Bestandteil für und Menschen und Reiter sowie für Tier. Hier natürlich spezifisch das Pferd. In dem Du oder Dein Pferdchen Lob erhaltet, wisst Ihr, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, es macht Dich und Dein Pferd glücklich und vor allem: es verbessert Eure Beziehung. Sei es jetzt bei der Arbeit, als Motivation oder als Belohnung in Form von Streicheleinheiten oder als kleine Pause. Lob kennt viele Formen und begrenzt sich nicht nur auf die Leckerli-Belohnung.

Doch welche Form von Belohnung spricht Dein Pferd am meisten an?

Am einfachsten ist es, wenn Du Dein Pferd gut beobachtest: Ist Dein Pferd eher verspielt? Frisst es sonderlich gerne (welches Pferd nicht?)? Liebt Dein Pferd es, an einer bestimmten Stelle gekrault oder geputzt zu werden? Wenn Du herausgefunden hast, was Dein Pferd am liebsten mag, weisst Du auch, welches Lob wohl bei Ihm am besten und schnellsten fruchtet. Da jedes Pferd anders ist, spricht auch jedes Pferd anders auf das jeweilige Lob an. Wichtig ist, dass Du Dein Pferd je nach Situation auch unterschiedlich lobst und vor allem SOFORT:

Pferde lernen anders als wir Menschen, denn sie leben im hier und jetzt und verstehen Lob nur wenn es sofort kommt. Du musst es also, unmittelbar nachdem Dein Pferd etwas gut gemacht hat, loben. Passiert das Lob zu spät, kann es keinen Zusammenhang mehr feststellen. Dasselbe gilt übrigens auch bei einer «Strafe».

Grundsätzlich hat das Pferd drei Bedürfnisse, nach welchen es strebt und bei welchen es versucht das jeweilige Maximum rauszuholen. Diese sind:

  • Futter
  • Ruhe und Entspannung
  • Aufmerksamkeit und Nähe / Berührung

Je nach Situation kannst Du also verschieden loben. Im Training kannst Du z. B. eine Pause einlegen: Ich benutze z. B. das Wort «Fein» als Belohnung, wenn mein Grosser beim Reiten oder Longieren etwas gut gemacht hat. Auf dieses Wort folgt meist auch eine Schrittparade und ein etwas längerer Zügel. Ich mache im Allgemeinen mit Stimmlob gute Erfahrungen und baue diese Art von Lob auch im die Arbeit mit Pferden gerne mit ein. Mein Pferd hat die verschiedenen «Wörter» auch bereits verinnerlicht, denn, wenn ich «feeeeiiiinnnnn» oder «braaavvvvv» langgezogen und mit tiefer, ruhiger Stimme ausspreche, wirkt das immer beruhigend und entspannend auf ihn.

Doch das beste am Stimmlob ist: Du kannst es immer, sofort und überall einsetzten! Du musst nichts in die Hand nehmen oder aus der Hand geben, sprich musst Dein Training nicht unterbrechen und es kostet nichts!

Dasselbe gilt für uns Menschen ja auch! Wer wird nicht gerne gelobt?! Ein Kompliment hier und da kostet uns nichts und kann den Tag erhellen und wirkt auch auf uns positiv!

Wie oben bereits gesagt, kann auch eine Pause ein tolles Lob sein. Pausen können beruhigend wirken. Ebenfalls hat das Pferd in einer Pause Zeit, sich wieder besser zu konzentrieren. Sei es jetzt mittels einer Parade in den Schritt, einem Anhalten bei der Bodenarbeit, Pausen nehmen den Druck aus einer Situation: gut zu beobachten ist auch, wie Pferde dabei beginnen zu kauen oder lecken und tief durchatmen.

Fast wie bei uns: Stell Dir vor Du büffelst für eine Prüfung und gönnst Dir eine kurze Pause. Das wirkt auch auf Dich entspannend! Durch einen kurzen Power-Nap z.B. kann innert 10 Minuten Deine Energie aufgetankt werden oder auch durch Autogenes Training erlangst Du die Fähigkeit, dich innert kürzester Zeit neu aufzuladen um wieder top motiviert und konzentriert zur Arbeit gehen zu können.

Eine weit verbreitete Art und Weise ein Pferd zu belohnen basiert auf Berührung. Weitverbreitet ist z. B. das Hals-Abklopfen bei gut gemachter Arbeit. Aber wieso klopfen wir dem Pferd den Hals? In manchen Situationen ist das ja auch nicht mehr so «fein», sondern eher ein regelrechtes «hauen» - vor allem dann, wenn sich der Reiter besonders fest freut.
Wie empfindet das Pferd dieses «abklopfen»? Da gibt es zwei Meinungen: die einen sind der Ansicht «das Pferd weiss genau wie ich dieses, auch manchmal härtere, abklopfen meine», die anderen sind überzeugt, dass das Pferd ein Kraulen am Widerrist oder ein Streicheln über den Mähnenkamm deutlich mehr schätzen. Gemäss einer britischen Studie, welche rund zwanzig Pferde in verschiedenen Situationen auf Puls, Haltung und Verhalten getestet haben, schätzen unsere Vierbeiner das Kraulen am Widerrist deutlich mehr. Das klopfen am Hals steigerte beispielsweise die Herzfrequenz, das Kraulen senkte diese.
«Das Kraulen des Widerrists kann das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier stärken und ist die effektivere Belohnung», bringt die Ergebnisse der Studie auf den Punkt. Dies begründen die Wissenschaftler darin, dass auch Pferde einander gerne an dieser Stelle kraulen, wohingegen das Klopfen auf den Hals kein natürliches Verhalten zwischen befreundeten Pferden sei.

Beim Lob mit Futter gibt es einmal mehr auch zwei Parteien: die Einen loben viel und gerne mit Futter – die Anderen finden Futter aus Belohnung nicht passend. Futter ist natürlich eine der einfachsten Arten ein Pferd zu belohnen. Da diese ja in Bildern denken, kann das Futter als «positives Bild» im Kopf Deines Pferdes gespeichert werden, da dies ja auch von Deinem Pferd am einfachsten und besten verstanden wird. Zudem führt das Kauen beim Fressen zu höherer Entspannung beim Pferd. Aufgepasst muss allerdings dann werden, wenn Pferde zu betteln beginnen. Ein anfänglich «herziges, lustiges» durchsuchen Deiner Jackentasche kann schnell zum Schnappen oder Beissen führen.  Also aufgepasst beim Leckerli füttern!

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Bildquelle: cavallo.de

Natürlich gibt es noch etliche weitere Arten, wie man ein Pferd loben kann, sei das jetzt mit der Clicker Methode oder in dem Du seine Lieblingsübung mit ihm machst etc. doch egal welche Art von Lob Dich und Dein Pferd am meisten anspricht, wichtig ist einfach, dass das Lob im richtigen Moment, also unmittelbar nach und während gut gemachter «Arbeit» passiert.

Lob an den Reiter

Auch wir Reiten, schätzen ein ehrlich gemeintes Lob doch. Soziale Anerkennung wirkt auf uns (und übrigens auch auf alle anderen Menschen die nicht Reiten) wie eine Droge. Sie macht uns so glücklich. Wir wollen wahrgenommen und bestätigt werden. Soziale Anerkennung ist ein Grundbedürfnis wie das nach Essen und Trinken, ohne sie kann kein Mensch existieren. Und trotzdem geizen viele damit, frei nach dem Motto: Lob ist, wenn niemand meckert. Skeptisch sein gilt als clever, Begeisterung schnell als naiv. Aber wo das Anerkennen fehlt, fühlen sich Menschen irgendwann unsichtbar. Sie werden nachlässig, unzufrieden, antriebslos oder gar krank. 

 

Wer am Lob beginnt zu sparen, spart am falschen Ort. Denn ein Wort kostet nichts! Wenn Du also in Deiner Reitstunde etwas richtigmachst, erwartest Du doch auch Anerkennung – und zwar am liebsten dann wenn es passiert und nicht drei Tage oder Stunden später. Beim Pferd ist das, dass selbe. Am Lob können wir wachsen. Denn nichts ist motivierender und fördernder als Lob! Ob bei Pferd oder Reiter!

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