Alles für mein Pferd

Momentan bin ich nebst der obligaten winterlichen Erkältung anderweitig krank. Nämlich krank vor Sorge. Denn nach meinem Empfinden befindet sich Cornets Yuri (so heisst mein Pferd jetzt offiziell), wenn nicht gerade unter meiner Aufsicht, dann in permanenter Gefahr.

Aber zuerst sollte ich noch etwas weiter ausholen: Am 11. Januar 2015 werde ich 23 Jahre alt. Langsam, so findet meine Oma, komme ich ins heiratsfähige Alter. Sie will mir mit dieser Aussage immer ganz subtil vermitteln, dass sie jetzt einfach endlich Urgrossmutter werden möchte. Kinder sind für mich so ein Thema - irgendwie fühle ich mich dazu so gar nicht bereit. Deshalb beschränke ich mich einfach darauf, mich über die unermässliche Freude der stolzen Mamis mitzufreuen.

So war ich bisher überzeugt, dass ich noch keine Mutterfigur sein kann. Auch wenn mir meine Oma stets versichert, dass sogar in mir ein Kinderwunsch keimt, aber meine biologische Uhr einfach noch auf Schlummern gestellt ist. Und wenn ich dann mal eigene Kinder habe (sie redet provokativ immer im Plural), dann werde ich sie nicht mehr aus den Krallen geben.

Und nun .... kam Cornet. Und meine weise Oma - so wie Omas halt eben sind - sollte Recht behalten. Bevor ich Pferdemama wurde, hatte ich etliche „fremde“ Pferde zum Reiten und zum Pflegen. Alle habe ich sie geliebt und war um ihr Wohl mehr besorgt als um mein eigenes. Seit Cornet aber ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich ganz neue Dimensionen der Fürsorge und Aufopferung erreiche. So in etwa stelle ich mir Mutterliebe vor.

Ich glaube langsam sogar, dass ich die übelste aller Pferdemamas bin. Sobald ich etwas Abnormales am Cornet entdecke, befürchte ich das Schlimmste. Im gleichen Augenblick noch wird Google konsultiert. Dieses diagnostiziert mir auf die eingetippten Symptome dann ungefähr 2’345’789 dazu passende Pferdekrankheiten. Selbstverständlich alle mit etwa ähnlich horrorhaften Krankheitsverläufen: Aushufen, innerliches Verbluten, Kolik oder gleich sofortiger Tod. Mein Puls ist auf 200 und das, obwohl wahrscheinlich gar keine dieser Krankheiten auf Cornet zutreffen. An dieser Stelle möchte ich deshalb dringend davon abraten, sich allzu schnell von Google beeindrucken zu lassen. Wobei ich gleichermassen gestehen muss, dass das Durchstöbern der Krankheitsvorschläge irgendwie noch interessant ist. Ich dachte immer, dass ich während meiner über 15-jährigen Reiterfahrung schon sooo viel über Pferde gelernt hätte. Aber ich glaube, dies muss ich besonders in Bezug auf Krankheiten nochmals überdenken! Da gibt’s echt nichts, was es nicht gibt.

Dieser panikartige Zustand dauert bei mir normalerweise höchstens eine intensive Stunde. Dann besinne ich mich wieder darauf, dass ich eigentlich ein sehr rational denkender Mensch bin und lache mich in Gedanken selber ein bisschen aus. Danach wühle ich im Sattelschrank nach Merfen und damit hat sich’s im besten Fall. Im Unterbewusstsein weiss ich, dass ich mit dem Bemuttern masslos übertreibe.

Man muss aber auch sagen, dass der Cornet einen nicht gerade kleinen Teil zu meinen hysterischen Anfällen beisteuert. Vorgestern zum Beispiel, als ihm beim Rüeblifressen ein Babyzahn rausgefallen ist, da war’s schon um mich geschehen. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt und auch die Google-Krankheits-Liste schien unendlich. Neben dem ausgefallenen Babyzahn hat er sich ausserdem schon den Kopf angeschlagen und das Hinterbein aufgeschürft. Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass ich den folgenden Spruch sofort unterschreiben kann: Wer keine Sorgen im Leben hat, der solle losziehen und sich ein Pferd anschaffen.

Zum Thema Aufopferung habe ich gestern eine lustige Tatsache festgestellt: Meine Rechnungsskala hat ab jetzt zwei neue Einheiten, nämlich Boxenpension und Masssattel. Alles wird nun zu diesen Einheiten in Relation gestellt. Kleines Rechnungsbeispiel: Eine neue Spooks-Jacke ist etwa 1/3 Boxenpension. So kann es gut sein, dass ich schon mal auf das ein oder andere verzichte, weil es einen besonders hohen Bruchteil meiner neuen Einheiten kostet. Und wenn mir jemand mit Sprüchen kommt wie „Und das alles für ein PFERD?“, dann werde ich ein bisschen sauer. Für solche Aussagen bin ich nicht so empfänglich.

Egal ob übertrieben oder nicht: diesen Samstag hat Cornet einen Routinetermin beim Tier- und Zahnarzt. Dann habe ich endlich die Chance, alle meine angestauten Fragen - anders als bei Dr. Google - an ein echtes Gegenüber loszuwerden. Denn schliesslich will ich nur das Beste für mein Pferd. Ausserdem wurde mir schon von anderen, erfahrenen Pferdemamas versichert, dass mein übervorsichtiges Verhalten ganz normal sei. Man gewöhne sich irgendwann daran. Na da bin ich ja mal gespannt, was sonst noch auf mich zukommen wird!

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