Alle Jahre wieder: Brevet klassisches Reiten

Heute war es wieder so weit - im Stall Korrodi fand das alljährliche Brevet statt.

Dies ist die Zeit, in der die Schulpferde besonders aktiv mitmachen müssen.
Sie kennen den Ablauf genau, weshalb sie nach der langen Übungsphase (die meisten sind ja ebenfalls schon jahrelange Routiniers), viele Übungen automatisch anbieten.

Beispielsweise starten sie gleich nach dem Anhalten auf der Volte, mit der Vorderhandwendung, welche ja ebenfalls zum Ablauf (welcher ich noch genauer darstellen werde) gehört und auch die Trabstangen werden sogar von den eher eingerosteten Pferden gut gemeistert.


Bei mir ist es jetzt mittlerweile elf Jahre her, seit ich das Brevet absolviert habe. Dies war jedoch auch eher eine unfreiwillige Angelegenheit, da mich mein Vater einfach anmeldete, obwohl ich das gar noch nicht so wollte. Für keine andere Prüfung habe ich jemals so viel gelernt und geübt.
Und trotzdem hatte ich dann während dem klassischen Reitteil gewaltiges Nervenflattern.

Bis heute bereue ich es zutiefst, dass ich diesen Schritt nicht mit meinem Herzenspferd Special meisterte, sondern mit einem, welchem die Chemie nie besonders passte.
Trotzdem war ich ihm natürlich dankbar, dass es mich brav durchs Brevet brachte, obwohl ich mich beim Spring-Teil ziemlich blöd anstellte. Unsere Wege trennten sich jedoch dann doch bereits nach der Prüfung, da ich meine Zeit nur noch mit Special verbringen wollte. ;-)

Wie umfangreich das Brevet ist, möchte ich euch in den folgenden Abschnitten aufzeigen:

Die Vorbereitungsphase
Die Brevet-Kandidaten absolvieren einen Ausbildungskurs mit folgenden Themen:
-Geschichte / Ethik (ca. 1 Std.)
-Unfallverhütung / Erste Hilfe (ca. 2 Std.)
-Haltung / Fütterung / Umgang (ca. 3 Std.)
-Gesundheit / Beurteilung (ca. 3 Std.)
-Gesetze / Tierschutz / Versicherungen (ca. 2 Std.)
-Reitlehre / Sattlung / Zäumung (ca. 3 Std.)
-Hauptprobe (Nachmittag Vorwoche)
-Prüfung (ganzer Tag)


Die Prüfungsphase
Der allgemeine Teil besteht aus einer Auswahl aus den Themen (gemäss Leitgedanken klassisches Reiten)
- Allgemeiner Umgang
- Kenntnisse am Pferd
- Aufstellen und Vorführen
- Einstieg Bodenschule
- Theoretische Kenntnisse

In dem praktischen Teil, wird in Gruppen von 4 - 7 Reitern geritten. (Markiertes Viereck max. 20 x 40m gemäss DR/SVPS. Grössere Reitflächen müssen abgegrenzt werden.) 
Prüfungsinhalte: 
- Vorbereitung, Auf- und Absitzen, Steigbügelrichten 
- Figuren reiten 
- Dressursitz in allen Gangarten 
- Cavaletti treten, Springen 
- Einwirkung, korrekte Anwendung der Hilfen 
- Zäumen / Satteln / Beinschutz

Der Anzug und die Ausrüstung für die Prüfung 
Auch die Ausrüstung muss für ein erfolgreiches Gelingen abgestimmt werden: 
- Reithose mit Reitstiefel, Jodphurs mit Stiefeletten, Reithose mit Stiefeletten und Minichaps 
- Reitjacke oder anliegender Pullover 
- Reithelm mit Dreipunktbefestigung 
- Rückenschutz empfohlen 
- Handschuhe empfohlen 
- Sporen sind nicht erlaubt, Gerte fakultativ 
- Zäumung: Es sind nur Trensen erlaubt, welche in den Brevetunterlagen aufgeführt sind 
- Spring-, Vielseitigkeits- oder Dressursattel 
- Als Hilfszügel ist nur das gleitende Martingal erlaubt 
- Gut leserliche Startnummern am Rücken oder beidseitig aussen an Stiefel oder Chaps


Die Richter (Auswahl & Einsatz)
Zur Abnahme der Prüfung zugelassen sind, offizielle Richter gemäss den Profilen für SVPS A-Richter (Chefrichter) und B-Richter aller Reitweisen.

Der A-Richter (Chefrichter) wird durch die Geschäftsstelle SVPS zugeteilt, der B-Richter ist durch den Organisator auszuwählen und mit der definitiven Anmeldung der Prüfung der Geschäftsstelle SVPS zu melden.
Reiterbrevetprüfung:
bis 18 Kandidaten: 1 A- und 1 B-Richter
ab 19 Kandidaten: 1 A- und 2 B-Richter
ab 25 Kandidaten: nach Rücksprache mit der Geschäftsstelle SVPS


Der Richter A (Chefrichter) wird nicht regelmässig beim gleichen Veranstalter/Organisator eingesetzt.
Der Instruktor wird nicht als Richter eingesetzt. Ebenfalls darf kein Familienmitglied des Instruktors als Richter eingesetzt werden.


Die praktische Prüfung sowie der Allgemeine Teil sind durch beide Richter gemeinsam zu beurteilen.
Bei Reiterbrevetprüfungen ab 19 Kandidaten kann der zweite B-Richter bei einer Gruppe den Allgemeinen Teil (praktisch und theoretisch) prüfen, während die anderen beiden Richter das Reiten richten.


Die Bewertung
Eins ist auch alle Jahre immer gleich: nach getaner Arbeit warten die müden Gesichter gespannt auf die Verkündung des Prüfungsbescheids.
Bewertet werden die praktische Prüfung, sowie der allgemeine Teil (praktisch und theoretisch)
Mit folgender Notenskala:
5 = sehr gut
4 = gut
3 = genügend
2 = mangelhaft
1 = schlecht
0 = nicht ausgeführt

Zum erfolgreichen Prüfungsabschluss muss der Kandidat in der Praktischen Prüfung und im Allgemeinen Teil je einen Notendurchschnitt 3 (genügend) erreichen.

Bei nichtbestandener Prüfung gibt es eine warte Frist von 3 Monaten, sowie einen Unkostenbeitrag von CHF 50.- als Prüfungsgebühr.


Für die meisten Reiter dient das Brevet der Turnierteilnahme. Also haben wir heute wieder zahlreiche neue Turnierteilnehmer gewonnen ;-)
Aber auch für Reitbeteiligungen wird vermehrt auf die Brevet-Erfahrung bestanden.


Alle wichtigen Informationen (auch zu anderen Lizenzen) findet ihr übrigens, auf der Homepage vom schweizerischen Verband für Pferdesport hier.

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