Abenteuer Pferdekauf

2014 war absolut nicht mein Jahr. Nichts ging, und noch weniger klappte. Doch gegen Ende sollte sich alles ändern. Ich würde gerne erzählen wie. Man nehme mich, also eine 22-jährige Jus-Studentin mit dem Traum vom eigenen Pferd, und dem Plan das Pferd in Deutschland zu holen. Dazu mische man eine erfahrene Person in Sachen Pferdekauf (in causa meinen guten Freund Florian Kaufmann vom Trainingsstall Roggwil – ich bin Dir für immer dankbar!) und füge einen Schuss glücklichen Zufall bei. Voilà, schon hat man die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Pferde-Sightseeing. 

Florian und ich waren also vor zwei Tagen in Hamburg gelandet und hatten schon x Pferde angeschaut. Am Abend des nächsten Tages sollte unser Heimflug nach Zürich gehen. Im Bett eines kleinen Hotels wurde ich mitten in der Nacht durch grelles Handylicht geweckt. „Lueg de gseht doch geil us – det lütemer morn a!“, sagte Florian und hielt mir eine Verkaufsanzeige hin. Ich erinnere mich an ein schräg von unten aufgenommenes Foto von einem Braunen, der über einem dramatisch hoch aussehenden Oxer freigesprungen wurde. Natürlich so fotografiert, dass es möglichst gross und breit aussah.

Das Freispring-Foto liess uns anbeissen und wir setzten uns am nächsten Tag mit den Verkäufern in Kontakt. „Sie wollen den Cornets Prinz anschauen?“, meldete sich die liebevolle Stimme von Hildegard am Telefon. Da er noch keinen Namen hatte, nannten ihn die Züchter wie seinen Vater, also Cornets Prinz. „Der ist ein ganz Schicker!“, fügte sie noch mit vollster Überzeugung hinzu. Diesen schicken Cornet wollten wir natürlich unter die Lupe nehmen. Und so fanden wir uns am letzten Tag unserer Reise auf jener Weide wieder, auf der mein dreijähriger, brauner Cornet stand. Ich hatte mir immer geschworen, dass ich NIE einen Braunen haben würde. Aber bei meinem 2014 wundere ich mich über gar nichts mehr.

Und so kam es, dass mich der Cornets Prinz verzauberte. Aber Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, ob er tatsächlich "der Eine" ist. Jenes Pferd also, das ich im besten Fall so lange haben werde, wie ich gerade selber alt bin. Schlussendlich habe ich mich, wenn ich im Nachhinein ganz ehrlich zu mir selbst bin, nicht in ihn als Pferd verliebt, sondern in das Gefühl, das ich hatte, wenn ich an ihn dachte. Das tönt jetzt alles superromantisch und rosarot mit Schleifchen, aber glaubt mir, so war das nicht. Ich schaute mir seine Fotos an und dachte: Eigentlich ist er nicht mein Typ Pferd! Das ist ein 1,58m-Pony, das ich mit meinen 1,75m, so wie ein französischer Bäcker ein Baguette, unter den Arm klemmen können werde. Ich stellte mir viele (teilweise dämliche) Fragen, beispielsweise was denn wäre, wenn er einen mega ekligen, absolut unsitzbaren Trab draufhat und ich aus Scham für immer und ewig leichttraben muss? Da er auf der Weide stand konnte ich ihn nicht probereiten, um so die grundsätzliche Pferd-Reiter-Kompatibilität zu prüfen. Oder was denn wäre, wenn das ein komplett grenzdebiler Saubock ist, der beim kleinsten Rascheln im Busch wie von was-weiss-ich gestochen quer über die Wiese losheizt? Da bringt mir das schicke Aussehen auch nichts mehr. Und was mache ich bloss, wenn er nach zwei Wochen eine seltene Krankheit erwischt? Zu guter Letzt ist er auch noch braun und passte so weder ins damalige Traumpferdkonzept, noch zu der bestehenden, durch jahrelange Selektionierung entstandener Schabrackensammlung!

Aber trotz aller Zweifel und aller struben Gedanken darüber, was alles schief gehen könnte, war ich im Endeffekt immer so überzeugt von ihm, dass ich das braune Pony wenige Tage nach meiner Rückkehr in die Schweiz tatsächlich gekauft habe. Eigentlich war es so, dass er mir je länger ich wieder zuhause war, je mehr gefiel und sogar fehlte. Manche werden jetzt sicherlich den Kopf schütteln und denken: spinnt die, so viele negative Punkte aufzuzählen und das Pferd dann doch zu kaufen? Ich weiss. Aber vielleicht war es einfach dieser Zauber des „Es het eifach passt.“ Vielleicht nicht sofort, aber immerhin. Und wenn mich mein 2014 etwas gelehrt hat, dann ist es das Vertrauen in mein Bauchgefühl. Die zwei Monate seit er bei mir ist, habe ich die Entscheidung ihn zu kaufen keine einzige Sekunde lang bereut. Ganz im Gegenteil.

Vielleicht kennen einige von euch das Gefühl, das ich mit den folgenden Worten versuchen werde zu beschreiben. Es soll keine Liebesode an mein Pferd werden, denn ich finde es persönlich immer etwas schwierig den Ausdruck "Liebe" in Bezug auf ein Tier gleichermassen zu verwenden wie beim Mensch. Aber davon mal abgesehen. Ich liebe Cornet so stark wie man ein Tier nur lieben kann und manchmal glaube ich sogar, dass ich fühle was er denkt. So ein Gefühl der Verbundenheit, mag es vielleicht auch nur eingebildet sein, erfüllt mich mit mehr Glück als ich manchmal überhaupt zu fühlen vermag. In solchen Momenten werde ich dann aber so richtig, richtig sentimental. Solche Momente lassen mich alles andere vergessen - auch meine anfänglichen Zweifel. Das gibt mir die Sicherheit, dass meine Entscheidung richtig war.

Aber er macht es mir auch ganz leicht, der Cornet. Denn ganz unter uns: den Fussel muss man einfach mögen. Er hat etwas an sich und das sage ich nicht nur, weil ich jetzt seine Mama bin. Mit dem werde ich noch ganz viel Spass haben, da bin ich mir sicher.

In meinem Blog möchte ich Euch auf unsere Reise mitnehmen. Ich möchte Euch von den Höhen und Tiefen in Cornets Ausbildung zum Reitpferd erzählen, spannende Themen der Reiterwelt erkunden, über Nerviges motzen und über Lustiges lachen. Dabei möchte ich versuchen nicht immer alles todernst zu sehen. Denn schliesslich geht es um das, was uns allen am meisten Spass bereiten sollte. Ich hoffe ihr seid dabei!

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