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5 Gründe, den Sommer nicht zu vermissen | Reiteredition

Temperatur: Kalt. Pferd: Fit. Immerhin etwas.
This time baby we'll be mosquitooooproooof. Oder so.

Eins vorweg: Dieser Blogpost ist kein einfacher für mich. Tatsächlich widerspricht er so ziemlich jedem Gefühl, das ich in den letzten paar Wochen durchlebt habe. Beginnend mit einer ängstlichen Vorahnung, als die Tage langsam kürzer wurden, bis hin zu dem, was ich Freitagmorgen beim Anblick des ersten Schnees empfunden habe und was sich wohl am treffendsten als eine Mischung aus bodenloser Verzweiflung und grosser Abscheu beschreiben lässt. Ich weiss, ich weiss – zahlreichen Instagramstorys zufolge (dank denen ich jetzt auch weiss: Jingle Bells ist 2017 immer noch ganz hoch im Kurs. Danke dafür.) gibt es diverse Leute, die sich wahnsinnig über kaltes, gefrorenes Wasser freuen können. Warum auch immer. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu. Der Winter und ich, wir mögen uns einfach nicht. Und ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass das auf Gegenseitigkeit beruht, denn würde der Winter sich auch nur ein klitzekleines Bisschen um mein Wohlbefinden scheren, dann müsste er wohl den Anstand haben, wenigstens mal ein einziges Jahr Pause zu machen. Oder von mir aus auch nur eine Woche zu dauern. Tut er aber nicht, womit das wohl geklärt wäre.

 

Ich will nicht lügen – ein nicht unbeachtlicher Grund dafür, weshalb ich den Winter derart fürchte, ist sicherlich, dass mein Hobby mich nun mal zwingt, Tag ein Tag aus für mindestens drei Stunden draussen zu sein. So wünsche ich mir dann auch jedes Jahr eine gefühlte Trillion Mal (insbesondere dann, wenn die Temperaturen im zweistelligen Minusbereich liegen), dass ich mir statt des Reitens ein Indoor-Hobby ausgesucht hätte. Schachspielen zum Beispiel. Nur, dass ich darin höchstwahrscheinlich äusserst mies gewesen wäre, da mein strategisches Geschick gegen null geht und stundenlanges Stillsitzen mal so gar nicht mein Ding ist.

Da ich mein Hobby also in absehbarer Zeit nicht ändern werde, habe ich mir dieses Jahr voll guter Vorsätze vorgenommen, stattdessen meine Einstellung dem Winter gegenüber zu ändern. Statt von Dezember bis April mit mieser Laune und klappernden Zähnen durch die Gegend zu laufen, wollte ich mir all das vor Augen halten, was ich am Winter mag. Dementsprechend sollte dieser Blogpost eigentlich auch „5 Gründe, den Winter zu mögen“ heissen. Gut... wie ihr euch dem tatsächlichen Titel zufolge nun wohl denken könnt, hat das nicht funktioniert.

Tatsächlich fing es aber echt gut an. Mir fiel zum Beispiel ein, dass ich jetzt meine geliebte Abschwitzdecken-Sammlung wieder hervorholen kann. Aber dann hat Qugels Nachbarpferd vor ein paar Tagen meine Lieblings-Abschwitzdecke (von Eskadron – es grenzte an Blasphemie!) zwischen die Zähne bekommen und in viele kleine Fetzen zerlegt, was meiner kurzfristigen Abschwitzdecken-Euphorie einen gehörigen Dämpfer verpasst hat. Ich mag auch Schneegalopps. Allerdings liegt bei uns nüchtern betrachtet vielleicht einen Tag im Jahr so viel Schnee, dass man darauf galoppieren kann, bevor sich das Ganze wieder in eine Eisfläche verwandelt, auf der man nicht mal Schrittreiten möchte. Und mehr fiel mir dann auch nicht mehr ein.

Da ich mich so einfach jedoch nicht geschlagen geben wollte, überlegte ich mir, dass es vielleicht erfolgversprechender wäre, sich Dinge zu überlegen, die ich am Sommer nicht mag. Denn von diesen mag ich es ja, dass sie im Winter eben nicht da sind. Oder so.

Ich möchte mir lieber nicht so genau überlegen, was das über meine Persönlichkeit aussagt, aber dies hat tatsächlich wesentlich besser funktioniert, als mein ursprünglicher Plan. Nach dieser zugegebenermassen viel zu langen Einleitung kommt sie hier nun also, die Liste mit den fünf Gründen, weshalb ich den Sommer in meinem Reiterleben doch nicht so sehr vermisse. Viel Spass. 

 

1.     Stechviecher

Fangen wir gleich mit dem Offensichtlichen an: Bremsen, Stechmücken, Bienen, Wespen und sonstige Insekten, sie alle gibt es im Winter nicht. Mich selbst scheinen die Stechviecher zwar nicht zu mögen, denn ich bin Sommer für Sommer erstaunlich „stichfrei“, dafür steht Qugels Blut aber ganz oben auf der Delikatessenliste sämtlicher Insekten. Da mein Pferd eine echte Dramaqueen ist, sobald ihm etwas Unbehagen bereitet, dreht er also regelmässig durch, sobald die Temperaturen steigen und die Insekten zum Leben erwachen. Ein Hase auf Ecstasy ist nichts dagegen, echt jetzt. Daher bin ich selbstverständlich ausgerüstet: Ausreitdecke, Weidedecke, Fliegennetz und Nüsternschutz, wir haben alles. Aber dennoch schafft es immer wieder das ein oder andere Insekt, mein Pferd zu stechen, womit wir dann bei Problem Nummer zwei wären: Qugel ist Allergiker. Auf was genau er allergisch ist, das weiss niemand so recht, aber er sieht dann aus, wie ein Streuselkuchen. Ich schreibe das jetzt so locker, tatsächlich finde ich es jedoch gar nicht lustig. Kann mein Tierarzt bestätigen. Und auch sämtliche anderen Menschen, die mich schonmal in einer solchen Situation erlebt haben. Ich werde in solchen Fällen nämlich dezent hysterisch, vor allem dann, wenn der Kopf betroffen ist. Dieses Problem haben wir im Winter nicht. Punkt Nummer eins also für den Winter.

 

2.     Undefinierbare Fleckenbräune

Ihr alle kennt es bestimmt: Dieses tolle „Muster“, das man beim Reiten in der Sonne bekommt. Die Beine sind weiss, der Bauch ist weiss, die Schultern sind weiss, die Hände sind weiss... und die Arme sowie die Nase sind dunkelbraun. Ich habe schon etliches probiert, um das zu vermeiden, aber besonders erfolgreich war nichts davon. Zunächst einmal habe ich mir Handschuhe gekauft, die angeblich UV-durchlässig sein sollten. Mal ernsthaft – funktioniert das bei irgendjemandem?! Bei mir nicht. Dann stieg ich von Poloshirts auf Spaghetti-Tops um. Mein neues Muster war nun: Beine weiss, Bauch weiss, Arme braun, Schultern rot. Yey. Auch das Reiten im Sport-BH brachte bräunungstechnisch eher wenig und kurze Hosen bescherten mir nichts als blaue Flecken, was zwar immerhin eine Farbe, aber irgendwie trotzdem doof war.

Im Winter, da bin ich einfach nur weiss. Von Kopf bis Fuss. Und damit ist das wieder ein Problem, das ich im Winter nicht habe.

 

3.     Überfüllte Feldwege

Im Sommer beim Ausreiten entspannt die Natur geniessen? Kann man vergessen – vor allem an den Wochenenden. Spaziergänger, Jogger, Radfahrer, Modellflugzeugflieger (ja, ganz viele davon), Inlineskater und viele, viele schreiende und rennende Kinder, sie alle kommen nach draussen, um das schöne Wetter zu geniessen. Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts dagegen! Ich gehöre selbst oft genug einer der oben genannten Kategorien an (wenn ich auch kein Modellflugzeug besitze). Aber wer ein nervöses Pferd hat (oder, wie in meinem Fall, ein Pferd, das in jedem Zweibeiner einen potenziellen Futterlieferanten sieht), für den kann das anstrengend werden. Im Winter bei Regen, Schnee und Sturm, da hat man die Wege hingegen ganz für sich allein. Scheint im Winter allerdings die Sonne und liegt zu alledem noch Schnee, so trifft man eine noch viel furchterregendere Kategorie an, als die oben genannten: Schlittenfahrer. Und wer es auch schon mal erlebt hat, samt Pferd beinahe von einer Horde kreischender Kinder auf quietschenden Holzschlitten umgenietet worden zu sein, der wird wohl nachvollziehen können, dass ich dem Winter hier trotz allem nur einen halben Punkt zugestehen kann.

 

4.     Konstanter Schlafentzug durch Hitzevermeidungsstrategien  

Kommen wir zu einem weiteren relativ offensichtlichen Nachteil am Sommer: den oftmals sehr hohen Temperaturen. Wieder muss ich sagen, dass ich persönlich damit kein Problem habe – bei allem, was die 30° Grenze überschreitet, friere ich endlich mal nicht mehr, was durchaus eine willkommene Abwechslung ist. Qugel sieht das Ganze jedoch etwas anders und reicht schon bei über 25° einen Antrag auf Hitzefrei ein. Und da ich nicht möchte, dass mein Pferd schon nach zehn Minuten Platzarbeit aussieht, als habe ich ihn gerade durch ein 100 Meilen Galopprennen in der arabischen Wüste gehetzt (niemand weiss immerhin, wann der nächste PETA-Aktivist um die Ecke kommt), bleibt mir nichts Anderes übrig, als den Wecker im Sommer regelmässig auf Zeiten zu stellen, die ich eigentlich niemals im wachem Zustand erleben wollte. Tschüss, entspannte Sommerferien, hallo, konstante Müdigkeit. Im Winter bin ich auf Grund der ständigen Dunkelheit zwar auch müde, muss aber immerhin nicht um 4 Uhr morgens aufstehen, womit dies einen weiteren Punkt für den Winter bedeutet.

 

5.     Terminkollisionen  

Dieser zugegebenermassen etwas kryptisch klingende Titel ist leicht erklärt, denn er betrifft die Weidezeiten. Jeder, der nicht das Glück hat, sein Pferd über Nacht auf die Weide lassen zu können, dem ist es bestimmt auch schon mal aufgefallen: Die Zeit, in der es für die Pferde auf der Weide punkto Hitze und Stechviechern am schönsten ist, ist die Zeit von ganz früh morgens bis maximal mittags. Und damit genau die Zeit, in der auch das Reiten am erträglichsten wäre. Wer es also, so wie ich, nicht übers Herz bringt, seinem Pferd diese wertvollen Weidestunden zu stehlen, der steht hier regelmässig vor einem Problem, denn seien wir ehrlich: abends sind die Temperaturen nicht wirklich angenehmer, als nachmittags. Ausserdem schliesst unser Stall um 21 Uhr. Der Sommer ist also geprägt von einem ständigen Balanceakt zwischen „ich sollte mal wieder richtig reiten“ und „aber das arme Qugelpony will doch nur fressen und chillen“. Ja, schwierig. Winterweide geht immer, den ganzen Tag durch. Das ist eigentlich ganz schön praktisch.

 

Und das waren sie nun also auch, meine fünf Gründe, weshalb ich den Sommer vielleicht doch nicht ganz so sehr vermisse, wie mein frierendes Ich mir stets Glauben machen möchte. Machen wir uns nichts vor – ich könnte gleich im Anschluss eine Liste mit 50 Dingen schreiben, die ich am Sommer liebe (und mit ebenso vielen, die mich am Winter stören. Mindestens.), aber immerhin hat sich so gezeigt, dass es durchaus auch Dinge gibt, die im Winter angenehmer sind. Für mich heisst es die nächsten Monate dennoch Abwarten und Tee trinken, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn Tee ist tatsächlich eines der wenigen Dinge, die ich am Winter mag. Hat nur nichts mit Pferden zu tun, weshalb ich ihm hier keinen eigenen Titel widmen konnte. Schon bald werden die Tage wieder länger, und das ist doch schon mal ein guter Anfang. In diesem Sinne wünsche ich allen Frostbeulen und Winterhassern da draussen viel Durchhaltevermögen und gute Nerven – wir schaffen das, der nächste Sommer kommt bestimmt!

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